| 80 Jahre Wisent-Erhaltungszucht |
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Im September 1928 trafen die ersten Wisente in Springe ein. Frei lebende Bestände gab es damals nicht mehr. Übermäßige Bejagung, Wilderei, Zersiedelung der Landschaft und Waldumwandlung für landwirtschaftliche Zwecke waren die Ursachen für den dramatischen Rückgang der Wisentbestände im 17. und 18. Jahrhundert. So gab es im 19. Jahrhundert nur noch in zwei Regionen frei lebende Wisente. Das war zum einen im Kaukasus und zum anderen im Urwald von Białowieża. Der letzte frei lebende Wisent wurde 1921 in Polen erlegt. Es begann die schwierige und sehr verantwortungsvolle Arbeit an der Erhaltung dieser vom Aussterben bedrohten Wildart. Das Wisentgehege hat einen wichtigen Beitrag dazu erbracht, dass es heute wieder ca. 3500 Wisente in aller Welt gibt. Der Wisent wurde zum Symbol für erfolgreich betriebene Erhaltungszucht.
Viele Mitarbeiter der ehemaligen
Preußischen Oberförsterei Saupark und dem heutigen Niedersächsischen
Forstamt Saupark haben sich um das Wisentgehege
Nach dem ersten
Weltkrieg war die Lage für die in der Welt noch existierenden Wisente
so bedrohlich geworden, dass angesichts der stagnierenden Vermehrung
erhebliche Anstrengungen unternommen werden mussten, um für die
Erhaltungszucht dieses wertvollen Wildrindes die erforderlichen
Vorraussetzungen zu schaffen. Auf Betreiben der Zoodirektoren Lutz Heck
(Berlin) und Kurt Priemel (Frankfurt) wurde deshalb die „Internationale
Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents“ gegründet. Tatsächlich lebten
1922 nur noch 56 reinblütige Wisente. Auch die Preußische
Staatsforstverwaltung wollte für die Rettung des Wisents einen Beitrag
leisten. Sie stellte ein Gelände von etwa 40 Hektar im Saupark Springe
zur Verfügung, um hier geeignete Zuchtmaßnahmen durchführen zu lassen.
Im Oktober 1927 wurde mit dem Zaunbau in der Nordost –Ecke des
Mauerparks begonnen. Im Folgejahr wurde die Anlage fertig gestellt.
Am
Mittwoch, den 12. September 1928, trafen der Wisentstier „Bernstein“,
genannt „Ivan „und 4 Bisonkühe aus dem Berliner Zoo per LKW- Transport
im Saupark ein. Aus ihnen sind dann Bastarde bis in die dritte
Generation mit einem Anteil von über 80% Wisentblut entstanden.
Innerhalb von 7 Jahren wurden 24 Wisent –Bison Bastarde in Springe
geboren. Die Kreuzungsprodukte waren gesund und widerstandsfähig und
hatten im Wesentlichen das Aussehen von Wisenten. Diese
Verdrängungszucht (Bernstein, jeweils mit der zuletzt geborenen
Bastardkuh) hätte in weiteren Generationen fortgesetzt werden können
mit dem Ziel, den Wisentblutanteil weiter zu erhöhen. Diese
vorsorgliche Zucht konnte jedoch aufgegeben werden, als 1935 die
Möglichkeit bestand, mit reinblütigen Wisentkühen aus Boizenburg die
reinblütige Zucht zu beginnen. Am 29.8.1934 wurde der letzte Bastard in
die Schorfheide abtransportiert; seitdem existieren in der Springer
Zucht keine Wisentbastarde mehr. Ein weiterer Meilenstein in der Wisentzucht war die Begründung eines Tuberkulose (TBC) freien Wisentbestandes. Der Durchseuchungsgrad des Wisentbestandes mit dieser Erkrankung war sehr hoch. Da es auch in anderen Wisenthaltungen das gleiche Problem gab, entschied man sich, einige Kälber nicht von der Mutter säugen zu lassen, sondern mit Ersatzmilch aus der Flasche großzuziehen. So konnten ein Bullkalb und zwei Kuhkälber direkt nach der Geburt von den Müttern getrennt und von Hand aufgezogen werden. Diese Sonderzucht, die 1965-1967, streng getrennt von den übrigen Wisenten gehalten wurde, bildete einen neuen, TBC-freien Grundstock für die heutige Springer Herde. Für die Folgezeit durfte nun freilich auch die genetische Komponente nicht vergessen werden; deshalb wurden in den 70er und 80er Jahren aus Polen die Stiere Pucal, Kalvados und Kapral, sowie die Kühe Kamina und Pozytywka nach Vollzug einer Tuberkulin- Probe in die Herde integriert. Später kamen weitere „fremde“ Wisente wie die Bullen Danzo und Dakan und die Kuh Dastoria. So sind im Laufe der Zeit 21 fremde Wisente bei uns integriert worden.
Im Wisentgehege Springe wurden bis zum Jahr 2007 310 reinblütige Wisente geboren. Viele der heutigen Wisenthaltungen begründen sich auf unserer Zucht. 134 Wisente haben wir in den 80 Jahren abgegeben. Schon Ende der 30er Jahre haben renommierte zoologische Einrichtungen wie München und Bern von uns Wisente erhalten. Der erste Nachwuchs wurde bereits 1936 abgegeben. Es war unser erstes reinblütige Kalb und hörte auf den einfallsreichen Namen „Springer“. Viele Wiederansiedlungsprojekte für das letzte europäische Wildrind sind von uns unterstützt worden. Springer Wisente leben u. a. in Russland, in Rumänien, in Lettland in der Freiheit oder in großen Reservaten. Jüngste Naturschutzprojekte, die den Wisent in der freien Landschaft zur Pflege von Biotopen großflächig auch in Deutschland einzusetzen planen, unterstützen wir gerne. So hat Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide genauso von uns Wisente erhalten, wie das Niedersächsische Umweltministerium für ein Projekt im emsländischen Eleonorenwald. Heute beherbergt das Wisentgehege zwei getrennte Wisentherden. Hier leben immer zwischen 25 und 45 Wisente. Wir sind Mitglied im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) und stehen in ständigem Kontakt bzw. Austausch mit internationalen Gremien und Züchtern. Inzwischen führt das Zuchtbuch (mit Stichtag 31.12.2006) 3539 Wisente, davon 2163 in der freien Wildbahn bzw. in Großreservaten. An der Erhaltungszucht sind 247 Wisenthaltungen beteiligt.
Viele richtige Schritte wurden
gemacht, aber das reicht noch nicht. Die Benennung des Wisents als
Wildtier des Jahres 2008 unterstützt unsere Bemühungen um die
Erhaltung, Zucht und Wiederansiedlung der urigen Riesen. Ziel ist ein
weltweiter Bestand von 6000 Wisenten. Inzwischen ist nicht mehr so sehr
die geringe Anzahl der Wisente die eigentliche Gefährdung, sondern
andere Komponenten spielen in der Gefährdung der Tierart eine Rolle. |



verdient gemacht. Es waren dies die Forstamtsleiter August Maske
(1922-1933), Leo Behrendt (1933-1956), Dr. Friedrich Türke (1956-1978),
Peter Boele-Keimer (1978-1991) und seit 1991 Joachim Menzel sowie die
zuständigen Förster Schwarz (bis 1935), Kurt Böger (1935 -1972),
Joachim Hennig (1972-2003) und Thomas Hennig seit 2003. Die Initiative
zur Gründung des Wisentgeheges ging aus von Prof. Dr. Lutz Heck, dem
bekannten Zoodirektor in Berlin.
Zunächst
standen nicht genügend Wisentkühe zur Verfügung, um eine Wisentherde in
Springe zu gründen. Aber das Erbmaterial überzähliger Wisentbullen
sollte nicht ungenutzt brach liegen. Deshalb wurde auf den Rat von
Prof. Lutz Heck die Entscheidung getroffen, zunächst vorsorglich und
zur Risikominimierung eine sog. Verdrängungszucht, also eine
Kreuzungszucht mit amerikanischen Bisonkühen zu beginnen. Ziel der
Verdrängungszucht war, reinblütige Wisentstiere mit Bisonkühen zu
verpaaren. Die weiblichen Nachfahren sollten dann wiederum mit einem
Wisent gekreuzt werden, so dass von Generation zu Generation der
Bisonanteil geringer und der Wisentanteil höher würde.
Da
ist z. B. die Inzucht. Naturgemäß ist bei dem geringen Ausgangsbestand
an Wisenten die innerartliche Verwandtschaft enorm hoch. Zu welchen
Problemen das noch führen wird, bleibt abzuwarten. Ein weiteres
mögliches Problem ist der Verlust genetischer Merkmale. Unsere Zucht
darf nicht nur auf Vermeidung von Inzucht basieren, sondern muss auch
den vollen Erhalt der genetischen Merkmale verfolgen. Hierzu sind
umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen anzustreben oder, so
bereits erfolgt, durch Zuchtvorgaben umzusetzen. Wir haben in 2003
begonnen unsere Wisente genetisch von der Tierärztlichen Hochschule
Hannover untersuchen zu lassen und erhoffen uns dadurch eine neue
Qualität in der Zucht. Wie wichtig das ist, zeigt nicht zuletzt der
Seuchenzug der Blauzungenkrankheit, der in 2007 in Deutschland mind. 30
Wisente zum Opfer gefallen sind. Auch wir haben einen mittelalten
Bullen an der Krankheit verloren. Ein geplanter Export von drei
Wisenten in ein Wiederansiedlungsprojekt in der Ukraine ist wegen der
Krankheit verschoben worden. Für die nächsten Jahre beabsichtigen wir,
die Herde an der Schönen Aussicht ganz neu aufzubauen. Unser neuester
Zugang Poranny, ein polnischer Wisent, der in 2007 über Österreich zu
uns gekommen ist, wird dort der Begründer einer neuen Linie werden. Bis
es so weit ist, werden wir alle unsere zurzeit überzähligen Bullen an
der Schönen Aussicht zusammenstellen. Die Kühe von dort werden in der
Herde an der Köhlerhütte integriert. Es gibt noch viel zu tun und wir
werden uns weiter verantwortungsbewusst um das Wohl des Wisents bemühen.