Der Wisent ist ein letzter Vertreter der Wildrindarten des europäischen
Kontinents. Er ist zugleich auch das größte Tier Europas. Der Wisent
lässt sich leicht mit dem Auerochsen, dem Stammvater des Hausrindes,
und mit dem amerikanischen Bison (oder Büffel) verwechseln.
Der Auer- oder Urochse (Bos primigenius) ist seit 1627 nach dem Tod
einer alten Kuh im Walde von Jaktorowa bei Warschau ausgestorben.
Bisons gibt es inzwischen wieder in großen Herden in Nordamerika.
Der
Wisent ist ein sensibles Wildrind und lebt in Herden. Wisente
bevorzugen größere Wälder mit Sumpf und trockenem Sand als Lebensraum.
Ihre Äsung besteht aus Gräsern und Blattpflanzen aller Art. Sie
verbeißen aber auch gern Knospen und schälen mit Vorliebe die Rinde von
Weiden und anderen Bäumen ab.
Hier im Gehege erhalten die Wisente
Kraftfutter (Hafer, pelettiertes Wildfutter), Saftfutter (Futterrüben,
Rote Bete, Möhren), Raufutter (Heu, Gras, Weidenzweige usw.) und
Mineralfutter. Gelegentlich müssen ihnen auch Medikamente verabreicht
werden.
Die Brunft der Wisente fällt meist in den August, die Setzzeit liegt im Mai nach einer Tragezeit von 265 Tagen.
Das Höchstalter eines Wisents betrug im Wisentgehege bisher 26 Jahre. Wisente können bis zu 1000 kg schwer werden.
Als
nach dem Ersten Weltkrieg infolge von Wilderei und Krankheit der Wisent
auszusterben drohte - es gab noch einen Restbestand von 56 Tieren, die
ausschließlich in Zoos und Tiergärten lebten, haben
verantwortungsbewusste Persönlichkeiten aus Naturschutz und
Forstverwaltung im Jahre 1928 das Schutzgehege für eine Wisentzucht im
Saupark Springe entstehen lassen.
Da zunächst nicht genügend
Wisentkühe vorhanden waren, musste mit der so genannten
"Verdrängungszucht" begonnen werden. Aus dem Berliner Zoologischen
Garten wurde von Prof. L. Heck der prachtvolle Wisentstier "Bernstein",
der später Iwan genannt wurde, zur Verfügung gestellt und mit drei
Bisonkühen zusammengebracht. Das Ziel war, die Bastarde immer wieder
mit einem Wisentstier zu kreuzen und auf diese Weise die
Bisonerbanlagen allmählich zu verdrängen.
Die Verdrängungszucht
gelang sehr gut und die Bastarde erwiesen sich als sehr
widerstandsfähig. Sie konnten, als die Möglichkeit bestand, aus dem
Gehege Boitzenburg reinblütige Wisentkühe anzukaufen, im Jahre 1935
abgegeben werden. Damit wurde im Saupark Springe noch im selben Jahr
auf die "Springer-Zucht" umgestellt: Mit "Bernstein" und den neuen
Kühen war jetzt eine reinblütige Zucht möglich.
Alle
Tiere - bis 2007 wurden in Springe 310 reinblütige Wisentkälber gesetzt
- werden im Zuchtbuch registriert. Die Namen tragen alle die
Anfangsbuchstaben "Sp" für Springe. Es findet heute ein reger Austausch
mit anderen Zuchtstätten statt, um die Degeneration der Bestände zu
verhindern. So konnte im Jahre 1996 eine Herde von 2 Stieren und 5
Kühen in ein neu entstandenes Wildgehege in die Schorfheide nach
Brandenburg abgegeben werden.
Seit einigen Jahren gibt es
darüber hinaus auch ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm für die
Wisente, dem auch unsere Zucht in Springe angehört.
Wenn wir,
angesichts der stattlichen Wisent-Herde, auf die letzten Jahrzehnte
zurückblicken, so erfüllt uns großer Stolz, denn wir haben mit dazu
beigetragen, das Überleben der Wisente zu sichern.
|